Mit den ersten Presseanfragen zum Bankenskandal Sparkasse – Erste Bank – Karl HUBER begannen wir zu Beginn September 2009. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden nur verdeckte Recherchen durchgeführt. Am 16.9.09, 10:13 Uhr richteten wir an die Konzernsprecherin, Mag. Nicola FRIMMEL vom Österreichischen Sparkassenverband unsere 1. Presseanfrage, die sich nur auf die Tätigkeiten und Ämter von KR Karl HUBER bezog. HUBER war laut Recherchen und Quellen ein sogenannter Multifunktionär, die die Vizepräsidentschaft des Österreichischen Sparkassenverbandes bis zum derzeitigen Ehrenmitglied dieses Verbandes beinhaltete. Frau FRIMMEL wurde ersucht die Beantwortung innerhalb eines Zeitfensters von 5 Werktagen (23.9.) vorzunehmen.

Faksimile der 1. Presseanfrage an den Sparkassenverband, die Pressesprecherin Mag. Nicola FRIMMEL

Faksimile der 1. Presseanfrage an den Sparkassenverband, die Pressesprecherin Mag. Nicola FRIMMEL

Es kam keine Antwort und in Anbetracht des Ausmaßes der Causa HUBER riefen wir am 24.9.09 11:24 Uhr im Büro der Generaldirektorin Dr. Elisabeth BLEYLEBEN-KOREN an, um schon zu diesem Zeitpunkt zu deponieren, daß wir an dem Fall arbeiten. Wir wurden nicht nur durch vertrauliche Quellen zuvor darüber informiert, daß die Gen.-Direktorin eine der wenigen Personen ist, die Kenntnis von HUBERS Machenschaften hat, sondern sind auch im Besitz eines Schreibens, das HUBER dazu an sie richtete. Wir bekundeten bei der Sekretärin T., daß ein Taktieren ggf. Zeitschinden hier nicht angebracht wäre und wir keineswegs darauf Rücksicht nehmen würden. Frau T. gab an, Frau BLEYLEBEN-KOREN die Reklamation zur Presseanfrage auszurichten.

Am 28.9.09 um 10:58 Uhr meldete sich Dr. Helmut RATTINGER, GF der Haftungsverbund GmbH der Erste Bank Group fernmündlich, um Mitteilung darüber zu machen, daß erst Zuständigkeiten geklärt werden müßten und sich FRIMMEL am 30.9.09 melden würde. Schon an dieser Stelle erfolgte die Nachfrage, um künftigen Zeitverlust zu vermeiden, wer künftig Ansprechpartner für die von uns zu erwartenden Presseanfragen sei, was RATTINGER mit der Person FRIMMELS angab.

Am 30.9.09 trifft dann von Mag. FRIMMEL zur Presseanfrage über die Funktionen und Ämter von Karl HUBER folgende Antwort ein:

“Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir zu ehemaligen Mitarbeitern und deren Aufgabenfeldern keine Daten an die Öffentlichkeit übermitteln.”

Antwort von Frimmel vom Österreichischen Sparkassenverband vom 30.9.09

Antwort von Frimmel vom Österreichischen Sparkassenverband vom 30.9.09

Nun denn, über öffentliche Ämter, die ein Multifunktionär des Sparkassenverbandes inne hatte und bzw. noch inne hat, will man keine Angaben machen – ist das schon ein Geheimnis? Zusätzlich ist diese Mitteilung völlig gegenteilig zu der Aussage des Dr. RATTINGER.

Nach dieser e-Mail folgte um 13:10 Uhr der Griff zum Telefon, um den Geschäftsführer der Haftungsverbund GmbH zu kontaktieren. RATTINGER wird mitgeteilt, daß wir diese Vorgehensweise als “witzlos” erachten. Die Position, in der sich der Bankenkonzern nach den uns vorliegenden Dokumenten zur Causa HUBER befindet, sei schon prekär genug, mit solchen Methoden beweise man nur den weiteren Versuch der Vertuschung. Dr. RATTINGER sagt zu, dafür Sorge zu tragen, daß die Antwort folgen würde und daß bereits die nächste PRESSEANFRAGE, die ihm noch im Gespräch angekündigt wurde, dann umgehend bearbeitet und beantwortet werden würde. Die Pressesprecherin hätte den Auftrag, die Fakten zu recherchieren.


Am 7.10.09 ruft der Geschäftsführer wieder an und entschuldigt sich für den bisherigen Verlauf der Bearbeitung der Presseanfragen. Ab jetzt würde alles ordnungsgemäß abgehandelt werden.

Am 9.10.09 schicken wir, obwohl zur 1. Presseanfrage immer noch keine Antwort eingetroffen ist, die 2. Presseanfrage an Pressesprecherin FRIMMEL und setzen vorsorglich Generaldirektorin Dr. BLEYLEBEN-KOREN auf den CC-Empfang der e-Mail:

Faksimile der 2. Presseanfrage an Frimmel und Bleyleben Koren

Faksimile der 2. Presseanfrage an Frimmel und Bleyleben Koren

Betreff: KR Karl HUBER Veruntreuung (1)

“Im Zusammenhang mit Herrn KR Karl HUBER, Ihrem vormals leitenden Mitarbeiter, ergeht an Sie folgende Anfrage:
Wie aus dem Sonderbericht der Innenrevision zur Sparkasse Hainburg, datiert vom 15.6.2003 zu entnehmen ist, wurde bereits zu diesem Zeitpunkt der Verdacht der Veruntreuung schriftlich festgehalten. Dazu werden explizit unter Ausweisung folgende EB-Nummern angeführt:

0010-148955 mit dem Betrag von 181.360.- öS in Euro 13.180,53 (25.10.1999) und
0010-148989 mit einem Betrag von 1.168.480.- in Euro 84.916,75 (10.11.1999) in Summe somit: 1.349.848.- öS = Euro 98.097,28.

a) Warum hat die Sparkasse bzw. der Verband nicht unverzüglich Strafanzeige gegen Herrn Huber gem. § 133/2 StGB und weitere eingebracht? [red. Anm.: Diese Strafanzeige wurde am 9.11.09 durch den Herausgeber nachgeholt]

b) Warum hat die Sparkasse bzw. der Verband nicht unverzüglich personelle Maßnahmen getroffen um somit auch zeitgleich zu unterbinden, daß Herr Huber ggf. keine weiteren kriminellen Handlungen mehr vornehmen kann?

c) Hat Herr Huber sich das aus den EB realisierte Geld behalten?

d) Wurde es seitens Ihrer Bank rückgefordert?

e) Wurden Handlungen unternommen um die Guthaben den vom Gesetz her bestimmten Begünstigten zukommen zu lassen?

f) Bestätigen Sie, daß es sich um zwei Sparbücher gehandelt hat?*

g) Bestätigen Sie, daß die rechtmäßigen Besitzer verstorben waren?*

(* Diese Angaben stammen aus einer vertraulichen Quelle innerhalb des Prüfungsverbandes)

Ihrer Antwort innerhalb der nächsten 5 Werktage entgegensehend verbleibe ich

Am 14.10.09 schießt die Pressesprecherin quasi den Vogel der Inkompetenz ab, indem sie wie folgt antwortet:

“Sehr geehrter Herr Huber,
wir geben zu diesen Fragen keine Stellungnahme ab.
Freundliche Grüße
Nicola Frimmel”

Die "Antwort" der Pressesprecherin wird an "Herrn Huber" gerichtet!

Die "Antwort" der Pressesprecherin wird an "Herrn Huber" gerichtet!

Wir schicken unsere Antwort wie folgt sowohl FRIMMEL als auch Dr. Elisabeth BLEYLEBEN-KOREN:

“Der guten Ordnung halber, insbesondere wegen der gegenteilig lautenden Angabe eines Vertreters Ihres Unternehmens, ersuche ich Sie um Auskunft darüber, ob seitens Ihres Unternehmens auch künftig jegliche Stellungnahme und Auskunft zu Belangen, die mit Herrn KR Karl Huber im Zusammenhang stehen, abgelehnt bzw. verweigert werden?

Sollte bis Mittwoch, den 28.10.2009 – 16.00 Uhr keine anders lautende Nachricht auf schriftlichem Wege per e-Mail eintreffen, würde ich davon ausgehen.

Im übrigen könnte ich mir von einer Konzernsprecherin, die zusätzlich mit einem akademischen Titel ausgestattet ist, zumindest erwarten, daß sie in ihrem Schriftverkehr die richtige Anrede anführt. Wie Sie aus Ihrer e-Mail vom 9.10.09 entnehmen können, sprechend Sie mich mit “Herr Huber” an.

Weil eine automatisierte Rückantwort von FRIMMEL auf unsere Nachricht eintrifft, die ihre Abwesenheit bis 9.11.2009 bescheinigt, wenden wir uns an ihre Vertretung. Diese erklärt sich für unzuständig. Letztlich rufen wir im Büro der Gen.-Direktorin der Ersten Bank an und weisen auf diese Korrespondenz hin. Die namentlich bekannte Mitarbeiterin von BLEYLEBEN-KOREN teilt mit, daß sie die e-Mail für die Chefin schon erhalten hätte. Wir halten fest, daß keine weiteren Anfragen mehr unsererseits gestellt werden, weil ganz offensichtlich das einzige Ansinnen des Bankenkonzerns darauf ausgerichtet ist durch Anfragen, Ableitungen vornehmen zu können, wie unser Informations- und Sachstand zu den umfassenden Skandalen im Konzern ist und bekunden uns nicht frotzeln lassen zu wollen.

Einmal mehr eine Entschuldigung, wie bereits berichtet, nahm dann der Pressesprecher der Ersten Bank, Mag. Peter THIER, im Auftrag von Dr. BLEYLEBEN-KOREN in der 44. KW 2009 fernmündlich vor.

Zusammengefaßt halten wir fest, daß sowohl der Sparkassenverband als auch Erste Bank uns an der Nase herumführten, und so an Informationen über Teile unseres Wissensstandes gelangten, aber keine Beantwortung der Fragen vornahmen.

Einmal mehr unsere Erfahrung, daß Konzernmultis völlig unfähig sind, in Krisen kompetent zu arbeiten. So etwas passiert, wenn man mit wirklich unabhängiger Presse konfrontiert wird. Was wohl Kunden und Aktionäre von solchen Vorgangsweisen halten?


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