(Zum Prolog der Serie) Einleitend erachten wir es als angebracht darauf hinzuweisen, daß die ehrenvolle Aufgaben und Zielsetzungen der Organisation des LIONS-Club außer Diskussion stehen. Was allerdings die Causa KR Karl HUBER und Vorgänge sowie Konstellationen betrifft, gibt es im Zuge unserer Recherchen auch Feststellungen, die wir bei aller Würdigung der Vereinigung nicht unbeleuchtet lassen können, und zur Vervollständigung des Bildes der Persönlichkeit des Karl HUBER erachten wir es als notwendig, diese aufzuzeigen. Wir setzen bei unserer Leserschaft voraus, daß sie in der Lage ist, eindeutig zwischen verurteilungs- bzw. fragwürdigen Handlungen einer einzelnen Person und einer global agierenden Wohltätigkeitseinrichtung zu differenzieren.
Im Zuge der Aufarbeitung der uns vertraulich von unterschiedlichen Quellen zugespielter Dokumente stießen wir auch auf eine Aufstellung derjenigen Beträge, die im Zuge der Überprüfung der Finanzgebarung des Jahres 2007 der Sparkasse Privatstiftung Hainburg, die fragwürdigen Ausgaben beinhalten, die HUBER während seiner Tätigkeit als vormaliger Vorstandsvorsitzender bzw. Geschäftsführer der Vermögensverwaltung, einer Tochtergesellschaft der Stiftung, vornahm. HUBER gestand die Veruntreuung im Ermittlungsverfahren der STA Korneuburg, wie berichtet, ein. Auffällig sind in dieser Finanzaufstellung auch drei Positionen, die wie folgt ausgewiesen werden:

Die Zahlungen, die für LIONS-Club Hainburg über das Stiftungskonto im Jahr 2007 durch K. HUBER vorgenommen wurden
2007 – 150.- Lions Club Hainburg 10 Karten für Jazzkonzert
2007 – 180.- Lions Club Hainburg Charity Veranstaltung 21.9.2007
2007 -Â 75.- Lions Club Hainburg Karten Gospel-Konzert 16.12.07
Wir sind in Kenntnis davon, daß Karl HUBER Mitglied bei LIONS ist; ebenso sind wir davon ausgegangen, daß, wie auch bei anderen Vereinigungen üblich, Mitglieder Kartenkontingente auf Kommissionsbasis abnehmen und nach Verkauf abrechnen. Doch Millionär HUBER hatte Gelder der Stiftung für die Bezahlung der Eintrittskarten ausgegeben, und niemand aus der Stiftung konnte uns beantworten, was mit diesen Karten geschehen ist, und es hatte auch niemand Kenntnis darüber, daß Gelder der Stiftung dafür ausgegeben wurden.
Jetzt stellte sich die legitime Frage, wenn HUBER als Mitglied von LIONS, wie üblich (und das recherchierten wir auch bei anderen lokalen Einrichtungen von LIONS ), ein Kartenkontingent zum Weiterverkauf erwarb, warum bezahlte er es mit Geld der Stiftung? Ins Persönlichkeitsbild des Herrn Kommerzialrat würde es passen, daß er einerseits der “verpflichtenden” Abnahme der Kommissionsware nachkam, andererseits die Karten vielleicht sogar ungenützt blieben. Aus Reihen der Stiftung äußerte beispielsweise eine diesbezüglich kontaktierte Person, daß vermutet wird, daß HUBER sie einfach in den Papierkübel schmiß.
Wir nahmen die Positionen der fragwürdigen Ausgaben zum Anlaß, um LIONS-Österreich eine Presseanfrage zu übermitteln. Dabei weisen wir ausdrücklich darauf hin, daß diese Presseanfrage am 11.9.09 an die Vereinigung gerichtet wurde, und die erste Publizierung zur Exklusivserie erst über einen Monat später erfolgte! Auszug:
Sehr geehrte Herren!
Im Zusammenhang mit Recherchen zu einem Ihrer Mitglieder, das bewiesener krimineller Handlungen verdächtigt ist (Verfahren läuft vor der zuständigen Staatsanwaltschaft), ersuche ich Sie um Beantwortung folgender grundsätzlicher Frage:
.) Ist es als Usus für Mitglieder zu bezeichnen, daß im Falle der Abhaltung einer Veranstaltung für die kostenpflichtige Eintrittskarten aufgelegt wurden, ein gewisses Kartenkontingent zu beziehen, welches nach Verkauf der Mitglieder mit Ihrer Einrichtung abgerechnet wird?
Nach einer fernmündlichen Urgenz am 16.9.09 im Sekretariat sendet uns der Vorsitzende des Governorrates GD 114 Österreich, Herr Dr. Manfred PFISTER, am 21.9. von seiner privaten e-Mail-Adresse folgende Antwort, die uns regelrecht verblüffte:
Sehr geehrte Herren,
Darf ich ergänzend festhalten, daß die Person, auf die Sie sich in Ihrer Mail beziehen, nicht mehr Mitglied bei Lions ist.
Zu Ihrer Frage:
Um ihrem gemeinnützigen und karitativen Leitbild gerecht zu werden, gehen Lions Clubs vielfältige Wege, um die Mittel dafür aufzubringen. Auch Veranstaltungen, für die Eintrittskarten verkauft werden, gehören dazu. Die Verkaufsmethode, um den größtmöglichen Erfolg zu erreichen, entscheidet aber jeder Club von Fall zu Fall für sich. Von einem Usus kann man daher nicht sprechen.Mit den besten Grüßen

Die Antwort des Leiters von LIONS-Österreich 2009, Dr. Manfred PFISTER
Wie bitte?! Wir als Medium mit Redaktionssitz in Wien, stellen eine Presseanfrage, ohne den Namen der betroffenen Person oder die Bezugsstadt zu benennen, und dann folgt: “Darf ich ergänzend festhalten, daß die Person, auf die Sie sich in Ihrer Mail beziehen, nicht mehr Mitglied bei Lions ist”!? Irgend etwas stimmte da nicht. Wir treffen nach Erhalt dieser e-Mail mit einem Funktionär von LIONS-Hainburg zusammen, und der bestätigt uns, daß Karl HUBER nach wie vor Mitglied ist.
Was die Sachfrage betrifft, so verlassen wir uns bei derart brisanten Rechercheinhalten nicht alleine auf eine Quelle, und haben selbstverständlich bei LIONS-Mitgliedern in Hainburg nach den lokalen Usancen betreffend der Abnahme und dem Weiterverkauf von Veranstaltungskarten nachgefragt. Jedenfalls für Hainburg ist es zutreffend, daß Kartenkontingente von Mitgliedern zum Weiterverkauf bezogen werden.

Am 1.12.2009 wurde diese Aufnahme von einem öffentlichen Aushang in einem Schaukasten am Hauptplatz von Hainburg/D. gemacht. KR Karl HUBER wird als Referent für Mitgliedschaftsentwickung vom LIONS Club Hainburg ausgewiesen
Wir werden im Zuge unserer Recherchen später in vertraulich geführten Interviews erfahren, daß Karl HUBER auch Gründungspräsident von LIONS-Hainburg und sogar auch einmal an der Spitze von LIONS-Österreich gestanden ist. Auch darüber gibt es eine Korrespondenz mit LIONS-Österreich, auf die wir später noch zurückkommen werden.
Jänner 2010 beantragt HUBER seine Mitgliedschaft passiv zu stellen
Mit Datierung vom 26.1.10 hat Karl HUBER an den Vorstand von LIONS-Hainburg ein Schreiben gerichtet, und darin auf Medienberichte verwiesen. Aus dieser Situation heraus möchte er die Vereinigung mit einer aktiven Mitgliedschaft nicht belasten, und unterbreitet den Vorschlag, seine Mitgliedschaft “passiv” zu stellen. Der Vorstand hat mit einstimmigem Beschluß vom 1.2.10 die “passive Mitgliedschaft” genehmigt.
Laut vertraulicher Quelle aus LIONS würde HUBER ausgeschlossen werden, wenn es im Zuge des Bankenskandals zu einer rechtskräftigen Verurteilung kommen sollte.
Was noch, wie bereits verlautbart, aufklärungsbedürftige Vorgänge im Zusammenhang mit Zuwendungen betrifft, von der auch LIONS Begünstigter war, die über die Sparkassen Jubiläumsstiftung 125 Jahre Sparkasse Hainburg gelaufen sein sollen, werden wir nach Abschluß der Recherchen berichten.
Dr. PFISTERS Reaktion bleibt für uns unerklärbar – geschickt wurde ihm am 21.9.09 folgende Antwort:
Vorerst danke für Ihre Antwort, wenngleich es mich etwas überrascht, daß Sie eine Mitgliedschaft einer Person ansprechen, die meinerseits gar nicht namentlich angeführt wurde – vielleicht sprechen wir von unterschiedlichen Personen. Auf Grund Ihrer Angabe leite ich Unterschiede zu den jeweiligen lokalen Gruppen ab, da ich zwischenzeitlich mit Angehörigen wie auch ehemaligen Mitgliedern einschlägig Rücksprache gehalten habe. Es wurde mir bestätigt, daß ein Kartenverkauf innerhalb dieser betreffenden lokalen Gruppe so gehandhabt wurde.
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